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30.6.2003 - Lu¾ice - PaedDr. Jiøí Týø
Leo¹ ©atava: Die Lausitzer Sorben und die Europäische Union
Dozent, PhDr. Leo¹ ©atava, CSc. ist beschäftigt am Ethnologischen Institut der Philosophischen Fakultät der Karls-Universität in Prag. Er hat einige Jahre in der Lausitz gelebt und hat im Detail das tägliche Leben und die Probleme der Lausitzer Sorben kennengelernt. Dieser Artikel ist seine Stellungnahme zum Konzept des Projekts „Die Lausitz und die EU“.
1/ Die Lausitzer Sorben und die ethnokulturelle Karte Europas

Die heutige Welt tendiert ausdrücklich und kehrt zurück - nach einer gewissen Ernüchterung aus extensiven, unifikanten und technokratischen Tendenzen und Konzeptionen der vergangenen zehn Jahre - zum Phänomen des Einzigartigen und Spezifischen. Davon zeugen z.B. dezentralisierte Programme und die Stärkung der regionalen Identität oder der lokalen Jurisdiktion (Rechtskraft) in einer Reihe von Ländern. Auch ethnische und sprachliche Minderheiten werden immer stärker verstanden als „kulturelles Erbe der Menschheit“; das Ringen um ihre Erhaltung wird in Parallelen gebracht mit den ökologischen Bemühungen um die Bewahrung und den Schutz der größtmöglichen Anzahl der tierischen und pflanzlichen Arten der Erde. Von dieser Veränderung der Sichtweise zeugen auch viele internationale Vereinbarungen, wie z.B. die „Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen des Europarates“ aus dem Jahre 1992 oder „Das Rahmenübereinkommen des Europarates zum Schutz nationaler Minderheiten“ aus dem Jahre 1995.

Dieser Fakt gilt in besonderer Weise für das derzeitige, sich in nie da gewesener Weise integrierende Europa, dessen Vielzahl der Regionen gleichzeitig auch Mutterland ethnischer Minderheiten ist. Eine dieser Regionen ist auch die Lausitz, die Heimat der Lausitzer Sorben. Es gibt keinen Zweifel darüber, dass es sich um ein überaus einzigartiges Gebiet handelt, ein Terrain im Übergang vom europäischen Westen zum Osten, in der Tuchfühlung der germanischen und slawischen Sprache und Kultur.

Während in einer Reihe anderer europäischer Regionen (siehe Wales, Baskenland, Katalonien, Lappland...) und anderer Erdteile (siehe Neuseeland, Sibirien, USA...) man in den vergangenen zwei bis drei Jahrzehnten bei einer Reihe von autochthonen ethnisch-sprachlichen Gruppen erfolgreiche Aktivitäten um ihre Revitalisierung dokumentieren kann, stehen in der Lausitz diese Trends erst am eigentlichen Beginn. Es ist natürlich eine offene Frage, ob die Lausitzer Sorben, die in Bedingungen eines starken (natürlichen) Assimilationsdrucks leben, ohne Hilfe von außen ihre letzte historische Überlebenschance der eigenen Identität und Sprache nutzen können.

Die Tschechoslowakei war (bis zum Jahre 1950) die wichtigste ausländische Stütze, im gewissen Sinne - „der ältere Bruder“ - der Lausitz. Das Interesse der Tschechen an den Verhältnissen und der Situation in der Lausitz war nicht unerheblich; im Gegenzug war der Kontakt mit den Tschechen, der tschechischen Kultur und Sprache seit dem 19. Jahrhundert eine der Hauptquellen der sorbischen Renaissance und der sorbischen Aktivitäten. Das Faktum der intensiven wechselseitigen Kontakte hat sich auch nicht geändert, obwohl (nach beiden Weltkriegen) die Visionen eines Anschlusses der Lausitz an die ÈSR oder der Entstehung eines selbständigen sorbischen Staates nicht verwirklicht wurden. Die Generation der sorbischen Intelligenz, die in den Jahren 1945-50 Gymnasien in Nordböhmen besucht hat, wurde im besten Sinne des Wortes sorbisch und zugleich international. Leider Gottes wurden in der darauffolgenden Zeit die natürlichen Bindungen zwischen Böhmen und der Lausitz künstlich blockiert, so dass die Kentnisse über den nahen slawischen Nachbarn, resp. das Interesse an ihm, seiner Sprache und Kultur, momentan auf eher niedrigem Niveau sind. Speziell im vergangenem Jahr erwachte in den tschechischen gesellschaftlichen und politischen Sphären das ausdrückliche Interesses an der Lausitz und dem Geschehen dort.

Es ist wichtig an den vorherigen Stand und die Erfahrungen anzuknüpfen und sich zu engagieren für einen neuen Aufbau der näheren Kontakte zwischen der Lausitz und der (in sich in unmittelbarer Nähe befindlichen) Tschechischen Republik. Es geht nicht nur um „praktische“ Aspekte, die z.B. zusammenhängen mit dem baldigen Beitritt der Tschechischen Republik zur EU und der Rolle der Lausitzer Sorben als eventuelle „Brücke“ in der ökonomischen und kulturellen Zusammenarbeit und insgesamt bei der Annäherung der Tschechischen Republik und Deutschlands. Für die Erhaltung der sorbischen Spezifik, der eigenen sorbischen Kultur und Sprache als lebendige Sprache ist genau der Kontakt mit den Tschechen und ihrer Sprache ungemein wichtig. Dies bietet eine sozusagen alternative Informationsquelle, über kulturelle Modelle und Ansichten auf unsere Welt, die u.a. als wirksame Bremse bei der sprachlichen und kulturellen Assimilation wirken könnten.

2. Die Tschechische Republik und die Lausitz: Möglichkeiten und Visionen

Das Projekt „Lausitz und die Europäische Union“ engagiert sich nach den oben aufgeführten
Zusammenhängen gezielt für die Erarbeitung eines Programms für die Unterstützung des ethnisch-sprachlichen Überlebens der Lausitzer Sorben als einer überaus wertvollen und bewahrenswerten Nuance nicht nur der Lausitz und des mitteleuropäischen Raumes, sondern auch Europas und der gesamten Welt.
Auf diesem Gebiet kann die Tschechische Republik einen wichtigen Beitrag leisten. Das erwähnte Projekt bietet in diesem Zusammenhang eine ganze Reihe von Vorschlägen. Als besonders bedeutsame und wertvolle Aktivitäten kann man (u.a.) diese ansehen:

• Unterstützung bei der Intensivierung der wechselseitigen tschechisch-sorbischen Verbindungen auf unterschiedlicher Basis (grenzüberschreitende Partnerschaften, wie z.B. Zusammenarbeit der Gemeinden, Organisierung kultureller, sportlicher, Interessen- u.a. Aktivitäten; ökonomische Beziehungen von Firmen; Tourismus, besonders wichtige persönliche Kontakte...)

• Engagement für eine Intensivierung der Informiertheit der tschechischen Bevölkerung um die Problematik der Lausitzer Sorben (bes. im Bereich der Medien, weiter im Bereich Schulwesen, im Zusammenhang der Bildungsarbeit mit Erwachsenen)

• Eingliederung des sorbischen Aspektes in die Tätigkeit der Euroregion Nysa
(inklusive der Nutzung der sorbischen Sprache als vierte Sprache der Region)

• Schaffung spezieller Voraussetzungen für das Studium junger Sorben an tschechischen Mittel- und Oberschulen

• Schaffung eines sorbischen Kultur- und Informationszentrums in Prag ( im Zusammenhang mit den Plänen einer Renovation des vor kurzem durch die Überschwemmung beschädigten Lausitzer Seminars auf der Mala Strana) in Zusammenarbeit mit tschechischen Institutionen und der Dachorganisation der Sorben, der Domowina.



Neben breiter konzipierten Programmen ist es in diesem Zusammenhang wichtig, die Bedeutung privater Beziehungen und Kontakte der Lausitzer Sorben mit den Tschechen zu betonen. Im Blick auf die jüngste Generation der Kinder und der Jugendlichen ist es wichtig, gezielt wechselseitige Verbindungen, Besuche, gemeinsame Lager, Briefwechsel u.a. zu unterstützen.


Es wäre ein trauriges Paradox, wenn genau zu dem Zeitpunkt, in dem das schrittweise sich vereinigende Europa beginnt allen wichtigen Zweigen seiner kulturellen Vielschichtigkeit eine ständig wachsende Bedeutung beizumessen, die europäischen Staaten aber und die übernationalen Organe nicht zugleich ein genügendes Maß an Aufmerksamkeit und notwendiger Mittel finden, um die oft gehandicapten Minderheitenkulturen und Sprachen zu erhalten.

Zusammenfassung: Im Hinblick auf das oben Erwähnte verdient das Projekt „Die Lausitz und die EU“ zweifellos Aufmerksamkeit und Unterstützung.

Leo¹ ©atava

Prag, 11.12.2002


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