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1.7.2003 - Lu¾ice - PaedDr. Jiøí Týø
Die Lausitz und die Europäische Union
Ausgangspunkte eines Projektes, das zur wechselseitigen Annäherung beitragen will (grenzüberschreitende Zusammenarbeit)
Im nördlichen tschechisch-deutschen Grenzgebiet leben auf beiden Seiten Minderheiten, die durch ihre natürliche Zweisprachigkeit bei der wechselseitigen Annäherung der deutschen und slawischen Bevölkerung helfen können (im Nachfolgenden: Annäherung oder wechselseitige Annäherung). Auf der tschechischen Seite ist dies die deutsche Minderheit. Auf der sächsischen Seite ist es das sorbische Volk. Im vergangenen Jahrhundert kam es zu einigen Ereignissen, die allem Anschein nach, bis heute ein größeres Mitwirken dieser Minderheiten im Prozess der wechselseitigen Annäherung, einem wichtigen Bestandteil der laufenden europäischen Integration, verhindern. Annäherung wird hier verstanden als ein qualitativ besseres Zusammenleben, das auf gegenseitiger Wertschätzung und dem Wohl beider Seiten beruht.

Die Stellung der deutschen Minderheit in der Tschechischen Republik wird leider bis heute manchmal gleichgesetzt mit dem, was zum Ausbruch zweier Weltkriege geführt hat. Gott sei Dank gibt es auch auf beiden Seiten Bürgerinitiativen für eine Verbesserung dieser Situation. Für die Zukunft ist es notwendig, die positiven Linien des Jahrhunderte langen tschechisch-deutschen Zusammenlebens zu dokumentieren und zu entfalten. Dabei ist es möglich und wichtig, sich gegenseitig, jedoch nie nur einseitig, sondern den Zusammenhang der Gründe und der Auswirkungen einzugestehen, wie auch die eigenen Fehler in diesem Bereich zu bedenken. Solidarität, Ausgeglichenheit und gegenseitige Wertschätzung sind wichtige Voraussetzungen auf beiden Seiten für eine Annäherung.

Hindernisse einer wirksamen Annäherung sind nicht nur Fragen der Vergangenheit. Es besteht z.B. weiter das Problem der Existenz einer Sprachbarriere, welche eine wirklich effektive gegenseitige Annäherung auf kulturellem und gesellschaftlichem Gebiet in der alltäglichen Praxis behindert.

Eine große Chance, wie man wechselseitig und ausgewogen zum Abbau nicht nur der Sprachbarriere (auf tschechischer und deutscher Seite) beitragen kann, ist die Möglichkeit in den Annäherungsprozess beide natürlichen zweisprachigen Minderheiten im tschechisch-deutschen Grenzgebiet einzubinden.

Schauen wir uns die Möglichkeit der Integration der Lausitzer Sorben in den Prozess der gegenseitigen Annäherung an:

Das sorbische Volk in Sachsen hat sich im Laufe der Jahrhunderte einen kultivierten Widerstand gegen den Germanisierungsdruck geschaffen und hat so das Mittelalter und die totalitären Regime des vergangenen Jahrhunderts überdauert. Seine Rechte sind deshalb ein fester Bestandteil sowohl der sächsischen als auch der brandenburgischen Verfassung nach der Wiedervereinigung Deutschlands. Den Lausitzer Sorben fehlt es heute weder an Demokratie noch an Mitteln vom Staat. Sie leben aber in einer Region mit hoher Arbeitslosigkeit, sind globalen Zwängen ausgesetzt und in den vergangenen Jahrzehnten hat leider das Jahrhunderte lang bestehende Interesse und die Zusammenarbeit Böhmens stark nachgelassen. Die Möglichkeit der Einbindung der Lausitzer Sorben in den Prozess der gegenseitigen Annäherung ist, so meine Meinung, weder auf tschechischer noch auf deutscher Seite genügend bedacht worden.

Dabei haben die Lausitzer Sorben sowohl im europäischen als auch im Weltmaßstab ein einzigartig hohen Anteil an Intelligenz in der Bevölkerung (Literatur, Kunst, Wissenschaft usw.). Trotzdem wird diese Minderheit im vergangenen Jahrzehnt schwächer. Für ihre Zukunft kämpfen die Sorben. Dabei aber stehen sie, trotz des in Europa laufenden Prozesses der Unterstützung bedrohter nationaler Kulturen, bisher relativ allein da. Der Grund für ihre Schwächung ist aber nicht in erster Linie nur der germanisatorische Druck.

Der Hauptgrund der Schwächung des sorbischen Volkes und eine wichtige Bedrohung für seine Zukunft sind heute vor allem Phänomene, die mit der Globalisierung zusammenhängen. Die Leute verbringen nicht mehr soviel Zeit mit Diskussionen vor ihren Haustüren und sie organisieren sich auch weniger nach Interessenlage. Die Zeit füllen uns zunehmend technisch immer perfektere Medien. Für den Beruf müssen wir die Informationstechnologien beherrschen. Ein Bestandteil der vollen Qualifikation ist die Beherrschung mindestens einer weiteren Weltsprache. Die Arbeitslosigkeit in der Lausitz bildet ein weiteres Handicap für den Zusammenhalt der Minderheit: Die Sorben müssen auf der Suche nach Arbeit oft sehr weit fahren, sie verlassen damit ihre Gemeinschaft, die deswegen schwächer wird. Die Globalisierung ist ein bisher überhaupt nicht fest umschriebenes oder definiertes Phänomen. Neben einem brutal pragmatischen Verständnis setzt sich auch ein kultiviertes Verständnis von Globalisierung durch. Eine objektive Tatsache ist, dass größere Völker diesen Globalisierungszwängen besser widerstehen können als kleineVölker. Die Germanisierungs- und politischen Zwänge haben die Sorben immer überlebt. Den Globalisierungszwängen gegenüber, können die Lausitzer Sorben, so scheint es, objektiv ohne Hilfe von außen langfristig nicht widerstehen, auch wenn sie dafür gesetzliche und materielle Voraussetzungen haben. Sie haben z.B. nicht genügend Schüler und Lehrer, um selbst eigene Fachschulen zu betreiben! Dies kann man von der deutschen Seite nicht verlangen, die die Kultur der Sorben insgesamt gut unterstützt, obwohl die soziale Situation in Sachsen selbst auch nicht einfach ist. Ich denke, hier liegen eher die Möglichkeiten bei der tschechischen Seite.

Das Potential einer möglichen engeren Zusammenarbeit zwischen Böhmen und der Lausitz liegt hier vor allem im Bereich der Bildung, der beruflichen Orientierung und in der Schaffung von Arbeitsangeboten, die z.B. ihre natürliche Zweisprachigkeit nutzen; sowie bei der Entwicklung neuer kultureller, gesellschaftlicher und weiterer Verbindungen, die daraus entstehen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Kommunikation (auf diesem Gebiet wird das Internet immer wichtiger).

Es ist eine sehr lange, Jahrhunderte überdauernde (!) Tradition
aus der Vergangenheit (leider in der Vergangenheit...), dass die Sorben an tschechischen Fachschulen studiert haben. Das ist heute weder irgendwie abgesichert noch ermöglicht. Bis zu Beginn der fünfziger Jahre hatten die Sorben wenigstens etwas Unterstützung im Lausitzer Seminar in Prag (eine gewisse Zeit war es die Bildungsorganisation Spoleinost pøatel Lu¾ice, vor einhundert Jahren waren die Sorben Eigentümer des Hauses). Das Restitutionsgesetz hat die Rückgabe des Seminars an die Spoleinost leider nicht gelöst. Heute ist hier der Sitz des Zentrums für das Studium an Hochschulen, das in der Tschechischen Republik die Stipendienprogramme der Europäischen Union im Bildungsbereich verwaltet. Eine Lösung des Problems der Hilfe für die Lausitz im Bildungsbereich bietet sich so an:

Die Lausitzer Sorben haben in ihrer Heimat weder Fachschulen (sie haben nur ein Gymnasium) noch Universitäten. Durch unsere vorenthaltene Hilfeleistung (inclusive z.B. der Möglichkeit der Fach- und Hochschulbildung für die Lausitzer Sorben in der Tschechischen Republik) leisten wir dem schnelleren Untergang dieses uns seit Jahrhunderten nahen Volkes Vorschub und verlieren so auch selbst (es geht nicht nur um die Möglichkeit z.B. ihre natürliche Zweisprachigkeit im Prozess unserer europäischen Integration zu nutzen). Im Bildungswesen spielt neben der Wirtschaftlichkeit der Schulführung eine wichtige Rolle auch die Frage der Vorbereitung der Lehrer. Wir brauchen einen rechtlichen Rahmen und Mittel für ein Studium von Sorben in der Tschechischen Republik. Im Bereich der beruflichen Ausbildung müssen wir einen Bereich finden, wo die natürliche Zweisprachigkeit der an Gymnasien und Hochschulen gebildeten sorbischen Intelligenz zur Geltung kommt. Dazu kann man Möglichkeiten einer beruflichen Orientierung der Sorben anpassen. Wir brauchen Voraussetzungen für gegenseitige Begegnungen, Kommunikation und Zusammenarbeit in den verschiedensten Bereichen. Zuerst aber brauchen wir Unterstützung bei der gegenseitigen Begegnung und Kommunikationsmittel. Dafür hat die EU Programme und Mittel, es geht nur darum, dass man sie nutzen will. Und das ist die Herausforderung an uns. Es bleibt uns also nur noch, uns in die Projekte hineinzuknien?

Noch etwas zum Problem des Untergangs kleiner Völker allgemein:

Durch die Schwächung (jedes und nicht nur des) sorbischen Volkes entsteht ein interessantes Paradox
(das uns in Tschechien in aktueller Zukunft, so hoffen wir, nicht droht):

Einerseits sind wir als Europäer stolz darauf, dass wir Denkmäler restaurieren nicht nur wegen ihrer Schönheit oder ihrem nutzbaren Wert. Wir schützen genauso bedrohte Lebewesen und Pflanzen, auch wenn sie nicht nutzbar sind, und das alles um den Preis eines gewaltigen Krafteinsatzes und ökonomischer Ausgaben. Wir sind mit Recht stolz darauf, dass dies nicht nur ein Bestandteil unserer Kultur ist, sondern auch der Legislative. Kurzum, wir sind stolz darauf, dass wir zielgerichtet die Buntheit und Vielfalt der Dinge und der biologischen Arten auf unserem Planeten erhalten.

Andererseits schauen wir unbegreiflicherweise dem wirklich seinem Untergang entgegengehenden sorbischen Volk zu, das geschwächt wird trotz seiner kultivierten, kulturvollem, gebildeten und gesellschaftlichen Reife. Einer nationalen Minderheit, die unter bestimmten Bedingungen viel hilfreicher wäre bei der gegenseitigen Annäherung der deutschen und slawischen Bevölkerung. Wir schauen zu, als ob uns in diesem Falle an einer Buntheit der Kulturen nicht gelegen wäre. Das ist ein allgemeines Paradox, das zu den negativen Phänomenen der Globalisierung gehört.

Das Paradox ist um so größer, dass es viel anspruchsvoller, wenn nicht sogar unmöglich ist, ein bereits untergegangenes Volk, eine Sprache oder Kultur zu beleben, als einigen Samen auszusäen oder eine Herde zu mehren. Die Lausitzer Sorben aber
sind noch kein untergegangenes Volk. Unsere Hilfe aber brauchen sie ganz dringend.
Wir meinen, dass es unser gemeinsames tschechisch-deutsch-polnisches Interesse ist, ihnen zu helfen im Bereich der Bildung, im Bereich der Erziehung der künftigen Intelligenz und im Bereich der beruflichen Orientierung der Fachschulen und Universitäten, um dem Globalisierungsdruck entgegenzuwirken durch ihre größere Einbeziehung in den Prozess der gegenseitigen deutsch-slawischen Annäherung im Rahmen der EU.

Diese Ideen - der Einsatz bei der Hilfe der gegenseitigen deutsch-slawischen Annäherung und das Bewusstsein, dass der Bereich der Kommunikation und der Bildung für die weitere Existent der sorbischen Kultur das Wichtigste ist, sind Ausgangspunkte des vorbereiteten Projektes mit der knappen Bezeichnung e Lausitz und die EU". Ich denke, gerade die Tschechische Republik (das tschechische Schulwesen, aber nicht nur dieses) hat eine nichtdelegierbare Aufgabe bei einer möglichen Hilfe für die Lausitz. Es ist schade, dass diese Tradition zu Beginn der fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts unterbrochen wurde und dass es bisher nicht gelungen ist, sie zu erneuern.

Die Euroregion Neisse hat dafür die besten Voraussetzungen. Zumal es von Bautzen nach Liberec näher (70km) ist, als nach Prag (100km). Nach Hradek nad Nisou oder nach Varnsdorf sind es von Bautzen (Budy¹in) ganze 50 km. Weder nach Dìiín noch nach `ustí nad Laben haben es die Sorben weit. Zu einigen Schulen in den Euroregionen Neisse und Elbe haben es die Sorben näher als z.B. nach Leipzig oder Dresden. Warum sollten wir ihnen nicht hier bei uns ein Studium ermöglichen?

Voraussetzungen für eine Realisierung dieses Projektes sind:
Es ist z.B. gelungen, eine Ausfahrt in die Lausitz mit Sitzung des Ausschusses für die europäische Integration bei der Abgeordnetenkammer des Parlamentes der Tschechischen Republik zum Problem einer möglichen Zusammenarbeit mit der Lausitz (das Thema Lausitz und EU wurde eingerichtet als ständiger Punkt bei den Verhandlungen des Unterausschusses für grenzüberschreitende Zusammenarbeit) zu organisieren. Die Ausfahrt findet im September 2003 statt. Neben Repräsentanten des Landes werden von tschechischer Seite auch Vetreter der Regionen Liberec und Usti eingeladen. Ziel ist es, Möglichkeiten zu finden, was für die Lausitz getan werden kann im Bereich der Mikroregion, der Region, der Euroregion und der Republik mit Nutzung der Möglichkeiten, die sich aus dem Prozess unserer Integration in die EU ergeben.

Wir leben im Grenzgebiet, am Ort der Annäherung der deutsch-slawischen Welt. Helfen Sie bitte (mit Ihrer Teilnahme an der Realisierung von einigen Teilzielen) diesem Projekt der deutsch-slawischen Annäherung und der Erhaltung eines Teiles des Genofonds der europäischer Kultur. Wir freuen uns über alle Ideen zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung, Kultur, Gesellschaft und Interessengebiete. Wir freuen uns über jeden, der zur Verwirklichung vielleicht auch seines eigenen Anliegens beitragen kann und will und wir möchten Ihnen gerne dabei behilflich sein (im Rahmen eines breiteren Projektes sind Teilziele leichter zu realisieren). Konkrete Ideen zu diesen Zielen finden Sie im Anhang zu diesen grundsätzlichen Überlegungen. Die Entwicklung der Vorbereitungen des Projektes und notwendige Informationen werden ständig veröffentlicht über die unten angegebenen Internetadressen.

Jiø Týø

Hrádek nad Nisou, 27.11.2002


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